Die Künstlerin · The Artist
„Meine Arbeiten sind textile experimentelle Bilder, in freier Technik entstanden.“
„My works are experimental textile images, created in free technique — where the thread itself becomes the language of expression.“
Stimmen zur Arbeit · Critical Voices
Das künstlerische Mittel — der Faden, der eigentlich die Vorstufe des Webens ist, bekommt hier Eigenwert.
Oft ganz im Linearen verbleibend, überschreitet er doch den Bereich des „nur“ Grafischen. Durch die Körperhaftigkeit, die eben der Faden im Gegensatz zur Linie an sich hat, wird feine Plastizität erzeugt. Auch entstehen durch Überlagerungen zarte Schattenwirkungen, die aus dem Zweidimensionalen ins Dreidimensionale führen und so eine Art höhere Realität entstehen lassen.
Raum wird geschaffen, manchmal durch Elemente des Perspektivischen, doch scheint er im nächsten Moment wieder aufgehoben … Fäden sind beides: real und imaginär.
The artistic medium — the thread, which is essentially the precursor to weaving — acquires its own inherent value here.
Often remaining entirely within the linear, it nonetheless transcends the realm of the merely graphic. Through the physicality that thread possesses — in contrast to a drawn line — a fine plasticity is created. Overlapping threads also produce delicate shadow effects that lead from two dimensions into three, giving rise to a kind of higher reality.
Space is created — sometimes through elements of perspective — yet in the next moment it seems suspended again … Threads are both: real and imaginary.
Essay · Dr. Gabriele Holst, Berlin, 5. Oktober 2011
Die fädenlangen Gedanken, die Brigitte Städler auch als „textile Forschungen und stoffliche Experimente“ beschreibt, werden in ihren Werken zu neuen Vorstellungsräumen verdichtet — so dass ich an „Textile Poesie“ denken musste, als die Künstlerin mir ihre Bilder vorstellte.
Wie macht sie das? Wie beginnen die Fäden, die doch eigentlich nur Material des Webens sind, eigene Rhythmen und Klänge zu erzeugen? Ich kannte den Begriff des Farbklanges, aber dass auch Fäden klingen können, war eine neue Erfahrung.
Das Geheimnis dieser „Webereien“ ist die Kombination aus einer sehr feinen und zeitaufwendigen Handwerklichkeit, die deutlich die Handschrift einer Könnerin zeigt, die ganz präzise ihre Linien setzt. Die Linien erscheinen gestochen scharf wie die Lettern alter Buchdrucke. Selbst dort, wo nicht die Deutlichkeit der geraden, bewussten Fadenführung eingesetzt wird, ist auch die sanfte, fast vegetative Verwendung dieser Fäden deutlich. Die rationalen Linien werden noch unterstützt durch Systeme aus Horizontalen, Vertikalen und Diagonalen — eine Betonung der grundsätzlichen Bewegungsrichtungen, Ordnungsmuster aus dem Weberhandwerk.
Brigitte Städler rhythmisiert diese Elemente immer wieder neu, indem ein hohes Maß an Empfindungsgabe und Sensibilität hinzukommt.
Das Handwerkliche der Weberei bekommt bei der Künstlerin eine atmosphärische Dichte, wie es nur dann möglich ist, wenn man sich auf die Ebene der Kunst begibt — sich also von sämtlichem Gebrauch im funktionalen Sinne trennt. Der Dialog aus Empfindungen mit der großen Sicherheit des persönlichen Reflexionsvermögens schenkt uns Gebilde, die zu neuen Entdeckungen einladen.
Die „Textile Poesie“ der fädenlangen Gedanken ist ein inniges Gespräch, an dem wir teilhaben können.
Das Spiel der Linien und die Auswahl von feinsten Farbnuancen in Kombination mit stärksten Farbkontrasten lassen uns räumliche wie auch plastische Momente erkennen — die aber ebenso schnell wieder verschwunden sind, um vielleicht in der nächsten Sekunde wieder aufzutauchen.
Der hohe Abstraktionsgrad ist kombiniert mit atmosphärischen Wirkungen, die für mich vor allem dann zur vollen Wirkung gelangen, wenn man den Bildraum mit eigenen Bewegungen begleitet.
The thread-long thoughts that Brigitte Städler describes as „textile research and material experiments“ are condensed in her works into new spaces of imagination — so that I found myself thinking of „Textile Poetry“ when the artist first showed me her works.
How does she do it? How do threads — which are, after all, merely the raw material of weaving — begin to generate their own rhythms and resonances? I was familiar with the concept of colour harmony, but that threads too could resonate was an entirely new experience.
The secret of these „weavings“ lies in the combination of exceptionally fine and time-consuming craftsmanship — one that bears the unmistakable signature of a master, setting her lines with great precision, as sharp as the letters of old letterpress printing. Even where deliberate straight thread-work gives way, the gentle, almost vegetative use of the threads remains clear. These rational lines are further supported by systems of horizontals, verticals and diagonals — an emphasis on fundamental directions of movement, order patterns from the weaver’s craft.
Brigitte Städler continually re-rhythmises these elements through a heightened capacity for feeling and sensitivity.
The craftsmanship of weaving attains in her work an atmospheric density possible only when one enters the realm of art — separating oneself entirely from functional use. The dialogue between sensory perception and quiet confidence of personal reflection gives us forms that invite new discoveries.
The „Textile Poetry“ of thread-long thoughts is an intimate conversation in which we are invited to take part.
The interplay of lines and the finest colour nuances combined with the strongest colour contrasts allow us to perceive spatial and plastic moments that vanish just as quickly, only to reappear perhaps a moment later.
The high degree of abstraction combines with atmospheric effects that reach their full power, for me above all, when one accompanies the picture-space with one’s own movement.
Werkschau · Works
Brigitte Städler
Brigitte Städler
Vulkan Pedro
Vulcano Pedro
Textilarbeit Vulcano Pedro von Brigitte Städler: Feine vertikale Kettfäden treffen auf ein kontrastreiches schwarz-weißes Band. Die klare Struktur wird durch eine dynamische Zone unterbrochen – Spannung zwischen Ruhe und eruptiver Bewegung.
Textile work Vulcano Pedro by Brigitte Städler: fine vertical warp threads meet a bold black-and-white band. The ordered structure is disrupted by a dynamic zone—tension between calm stability and eruptive movement.
Brigitte Städler
Brigitte Städler
Vulkan Pedro
Volcano Pedro
Detail von Vulcano Pedro von Brigitte Städler: Dichte vertikale Kettfäden mit feinen Unterbrechungen und roten Linien. Das Nahbild zeigt die textile Struktur als spannungsreiches Gefüge zwischen Präzision und Bewegung.
Detail of Vulcano Pedro by Brigitte Städler: dense vertical warp threads with subtle interruptions and red lines. The close-up reveals a dynamic textile structure balancing precision and movement.
Brigitte Städler
Brigitte Städler
EEIBLLI
EEIBLLI
Textilkunst eeiblli von Brigitte Städler: Vertikale Fäden formen ein vibrierendes Gefüge aus Hell-Dunkel, durchzogen von rotem Diagonalband. Zwischen Fläche und Raum, Struktur und Schrift – der Titel wird Teil des Rhythmus im Geist der Bauhaus-Textilkunst.
Textile artwork eeiblli by Brigitte Städler: vertical threads create a vibrating light–dark structure, cut by a red diagonal band. Between surface and space, text and pattern merge—echoing Bauhaus textile traditions with a contemporary twist.
Brigitte Städler
Brigitte Städler
EEIBLLI
EEIBLLI
Textilarbeit eeiblli von Brigitte Städler: Dichte vertikale Fäden und ein rotes Diagonalband erzeugen Spannung zwischen Struktur und Bild. Schrift wird Teil des Gewebes – inspiriert von Bauhaus-Textilkunst, zwischen Fläche und Raum.
Textile artwork eeiblli by Brigitte Städler: dense vertical threads intersected by a red diagonal create tension between structure and image. Text merges with weaving—echoing Bauhaus textile traditions between surface and space.
Weiterführende Links · Further Information
Brigitte Städler bietet wöchentliche Webkurse in ihrem Atelier an —
für Anfänger und Fortgeschrittene, montags in Berlin Prenzlauerberg.
→ Webkurse: Zeiten, Preise und Informationen
→ Textilarbeiten von Kursteilnehmenden
Brigitte Städler offers weekly weaving courses at her studio in Berlin Prenzlauerberg
— for beginners and advanced weavers alike, every Monday.
→ Weaving courses Berlin: times, prices, information
→ Hand-woven works by course participants
